9 Dec
2022
2 min

Mein Traum ist es, mit einem Wasserstoffflugzeug durch die Welt zu jetten

In unserem Gespräch mit Christine Zapodeanu von der grau zu grün GmbH erhielten wir spannende Einblicke in die Perspektiven und Schwierigkeiten von Start-ups auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien. Wir sprachen mit ihr außerdem über ihre unternehmerischen Ziele und Visionen sowie die Zusammenarbeit in einem jungen Team.

Wie kam es zur Gründung der grau zu grün GmbH? Warum und wann bist du auf die Idee gekommen?

Die Idee, eine Firma zu gründen, entstand vor mehr als zehn Jahren und sie ist aufgrund meiner Erfahrungen in verschiedenen Unternehmen der  Branche entstanden. 

Die Erneuerbare-Energien-Branche ist eine sehr neue Branche. Auch wenn diese Industrie bereits auf 20 Jahre zurückblicken kann, ist sie noch immer sehr jung. Die Menschen sind mit ganz viel Pioniergeist, gutem Willen und wenigen Prozessen an das Thema herangegangen. 

Ich persönlich komme aus einer Industrie, die sehr strukturiert und klassisch ist. Mit den Jahren habe ich festgestellt, dass, wenn die Unternehmen nicht strukturiert vorgehen und diese Energiequelle nicht sinnvoll eingesetzt und genutzt wird, war die ganze Mühe umsonst gewesen.

2019 habe ich Timo Krechberger kennengelernt. Am Anfang waren wir eigentlich zu dritt. 2020 kam Corona und wir saßen im Homeoffice. Wir haben jeden Morgen miteinander telefoniert und uns gesagt: „Wir fangen jetzt an. Was kommt, kommt.“ Und am 24. April 2020 haben wir die Firma gegründet und uns ab diesem Zeitpunkt um Projektentwicklung für den Mittelstand gekümmert. Da unsere Tätigkeit dem Baugewerbe zugerechnet wird, konnten wir in aller Ruhe überall hinfahren. Es gab für uns keine Restriktionen, nichts. Wir konnten eigentlich viel machen und auch ganz viel erreichen. 2021 haben wir schließlich einige Projekte in den Entwicklungsprozess gebracht und versucht, das alles auf dem Umsetzungslevel zu bringen. 

Ab August 2021 haben wir auch für das Hauseigentümer Segment begonnen, Projekte zu planen und umzusetzen. Mit diesem Standbein haben wir es geschafft, uns die Projektentwicklung selbst zu finanzieren und so das Unternehmen auf starke Beine zu stellen. Die kleinen Einfamilienhaus-Dächer generieren einfach ein gewisses – wie wir es nennen – Income Base Level. Mittlerweile haben wir jetzt drei Segmente: Einfamilienhaus-Dächer, Industriedächer und Freiflächen bauen wir jetzt demnächst auch.

Wen meinst du, wenn du von „wir“ sprichst, Christine und wie hat die Zusammenarbeit denn geklappt?

Ich bin Bauingenieurin und habe noch einen MBA. Auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien habe ich bereits 15 Jahre Erfahrung. Der gemeinsame Nenner von Timo Krechberger und mir war meine Erfahrung gepaart mit seinem Enthusiasmus und unendlicher Begeisterung für die grünen Energie-Ressourcen. Es ist nicht so, dass ich keinen Enthusiasmus verspüre, aber die junge Generation ist damit aufgewachsen und durch das Bewusstsein für die Umwelt und das Klima unseres Planeten. Timo habe ich auf einer Veranstaltung kennengelernt, ganz ungeplant. Ich halte nichts von Zufällen, aber das war Zufall. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. An unserer gemeinsamen Arbeit fasziniert mich immer wieder, dass wir uns in vielen Sachen sehr ähnlich sind. Wir kommen immer auf den gleichen Nenner und es ist eine schöne Mischung. Er hat immer neue Ideen und ich kann mir vorstellen, wie diese Ideen umgesetzt werden können. Er ist ja auch sehr viel extrovertierter, er geht auf die Leute zu und öffnet dadurch Türen für unser Unternehmen, die uns ermöglichen, spannende Projekte durchzuführen, aber auch sehr interessante Menschen kennenzulernen. Timo hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert mit dem Schwerpunkt Erneuerbare Energien – in Darmstadt und Rüsselsheim. Deshalb haben wir uns auch in Darmstadt getroffen. Seine Abschlussarbeit handelt vom Wasserstoff.

Das ist ja ein recht modernes Thema – das Wasserstoffflugzeug…

Ja, ich glaube, dass das definitiv eine wirkliche Alternative sein könnte. Von all den anderen Dingen – Solarpanels auf Flugzeugen – halte ich nichts, weil ich nicht glaube, dass das so gut funktioniert. Wasserstoff aber schon und ich finde die Idee faszinierend. Wir haben ja auch Wasserstoffautos. Diese Technologie ist sehr teuer, aber sie ist erprobt – gerade in dem automotiv Bereich. Und sie ist sehr sauber. Es ist eine der saubersten Energiequellen, die wir aktuell haben. Mein Ziel ist es, mit einem Wasserstoffflugzeug durch die Welt zu jetten. Das ist wirklich mein Wunsch. Ich finde es fantastisch. Und deshalb versuchen wir einfach auch, jede Menge neue Projekte anzugehen.

Welche aktuellen Ziele hast du für die nächsten Monate? Was möchtest du in der näheren Zukunft erreichen, besonders in den nächsten schwierigen Monaten?

Wir sprechen mit vielen Unternehmern, die jetzt auf uns zukommen. Die Einen wollen eine Solaranlage haben, die anderen wollen sich beraten lassen, wieder andere sind schon in Panik. Manche wissen schon, was sie wollen, haben die Hälfte der Sachen dabei. Also, unser B2B-Bereich trägt jetzt so richtig Früchte. Das war ja auch der Bereich, mit dem wir angefangen haben.

Ich kann sagen, dass Deutschland das unfreundlichste Land für Start-ups ist. Es ist absolut unfreundlich. Die Banken unterstützen Start-ups auch nicht wirklich. Start-ups finanzieren sich viel mehr über Venture Capital und Business Angels und über eigenes Geld. Ich habe so das Gefühl, dieses Phänomen gibt es nur in Deutschland. Es wird so viel Werbung für irgendwelche Förderungen gemacht vom Bundesministerium für Energie. Und du musst so viele Papers einreichen, sodass es einfach absolut kontraproduktiv für jedes Start-up ist. Denn Start-ups wollen keine Papiere ausfüllen, sie wollen schlichtweg ihre Idee umsetzen. Und dafür brauchen sie einfach Unterstützung. Die Banken unterstützen das nicht. Das kannst du so publizieren (lacht).

Unser B2C sichert uns die Kostendeckung. Wir decken unsere Kosten mit B2C und verdienen noch Geld dazu, damit wir B2B machen können. Denn im B2B musst du erst einmal investieren und dann kommt was zurück. Und so überbrücken wir diese Zeit. Aber die Idee war einfach schon immer da, dass wir diese B2C-Sachen machen, nur hatten wir dafür keine Zeit. Wir mussten uns auf etwas fokussieren. Und diese B2B-Projekte sind sehr viel spannender, weil man da viel machen kann. Wir haben ein Projekt. Die Dächer sind so groß. Darauf bauen wir Solaranlagen bis zu sechs Megawatt. Das ist sehr, sehr, sehr viel! Dazu können wir eine Solar-Tankstelle bauen, also eine E-Tankstelle. Es gibt ein weiteres Projekt, das ebenfalls sehr groß ist.

In allererster Linie arbeiten wir im B2C-Segment, also im Eigentumshäuser Segment, daran, dass wir die Solaranlagen so strukturieren. Meine Idee ist, dass jeder eine Solaranlage kaufen und auf sein Haus bauen kann – schnell und effektiv. Das, was momentan passiert, dauert viel zu lange. Ich will, dass das genau so ist, wie wenn du zum Media Markt gehst und dir einen Fernseher kaufst. Auch einen Fernseher musst du nach Hause bringen, an die Wand hängen, programmieren und so weiter. Viel mehr Aufwand als das sollte es nicht sein. Das ist so ein Traum von mir, weil ich das schon sehr lange in mir trage.

Ich bin überzeugt davon, dass man das machen kann. Bald sollte jeder eine eigene Solaranlage haben, weil der Strom dort produziert werden soll, wo er auch verbraucht wird. Jeden sollte es möglich sein, seine eigene Solaranlage auf dem Dach oder auf dem Balkon zu haben. Im Großen und Ganzen ist das so. Man muss jedem die Möglichkeit geben, so sich selbst ein Solar-Kit aufbauen zu können.

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